Metaboliten im Blut: Anzeichen bereits Jahre vor dem Auftreten von Symptomen

Jahrzehntelang konzentrierte sich die Forschung zum kognitiven Verfall fast ausschließlich auf den Zeitpunkt, zu dem die Symptome sichtbar wurden: Gedächtnisprobleme, verlangsamte Informationsverarbeitung, Sprachveränderungen. Was diese Anzeichen jedoch nicht verrieten, war, dass der dem kognitiven Verfall zugrunde liegende Prozess viel früher beginnt – oft bereits Jahrzehnte zuvor – und stille (und messbare) Spuren im Blut hinterlässt, bis sich das klinische Bild deutlich abzeichnet.

Die frühzeitige Analyse dieser Spuren ermöglicht es uns, den Schwerpunkt der Prävention vom Zeitpunkt der Diagnose auf den Zeitpunkt zu verlagern, zu dem der Stoffwechsel beginnt, in eine risikobehaftete Richtung abzuweichen, und eröffnet damit ein Interventionsfenster, das bislang noch wenig genutzt wird.

Eine neue, in Nature Aging veröffentlichte Studie, die vom Team um Ahmad, Wu, Arnold und Kollegen an der Kohorte der Rotterdam-Studie durchgeführt wurde, analysierte 991 im Blut zirkulierende Metaboliten bei Menschen mittleren Alters ohne Demenz und verglich diese Daten mit der allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit sowie mit den mittels Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns gewonnenen Messwerten.

Die Forscher identifizierten 14 Metaboliten, die signifikant mit der kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert waren – was in zwei unabhängigen Kohorten älterer Erwachsener bestätigt wurde –, sowie weitere 22 Metaboliten, die in direktem Zusammenhang mit den MRT-Messwerten standen, wie beispielsweise dem gesamten Gehirnvolumen und dem Vorhandensein von Läsionen der weißen Substanz, beides frühe Marker für Neurodegeneration.

Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie betrifft den Ursprung dieser Metaboliten: Die Forscher quantifizierten, inwieweit deren Variabilität durch genetische Faktoren, die Darmmikrobiota, den Lebensstil, klinische Komorbiditäten und Medikamente erklärt werden konnte, und stellten fest, dass Rauchen einen entscheidenden Einfluss auf die kognitiv relevanten Metaboliten hatte, während der Body-Mass-Index, die Einnahme von Antidiabetika, Diabetes und der Alkoholkonsum die Metaboliten, die mit den im MRT sichtbaren Veränderungen im Gehirn assoziiert sind, signifikant beeinflussten; mit anderen Worten: Ein Großteil dessen, was diese Biomarker aussagen, spiegelt alltägliche Entscheidungen wider, die potenziell veränderbar sind.

Der zweite Forschungszweig, der mit dieser Entdeckung verflochten ist, betrifft genau die Möglichkeit, über die Ernährung auf eben diese Stoffwechselwege einzuwirken: Eine in diesem Jahr in Nutrition in Clinical Practice veröffentlichte Übersichtsarbeit analysierte die Rolle von Omega-3-Fettsäuren bei der Modulation der Darm-Hirn-Achse im Zusammenhang mit dem diabetesbedingten kognitiven Rückgang und zeigte, wie Omega-3-Fettsäuren gleichzeitig an mehreren Fronten wirken: Sie fördern das Wachstum nützlicher Darmbakterien wie Bifidobacterium und Lactobacillus, unterdrücken pathogene Stämme, steigern die Produktion kurzkettiger Fettsäuren und aktivieren Signalwege wie SIRT1, das an der Mitochondrienbildung und der Blutzuckerkontrolle beteiligt ist.

Bedenken Sie, dass DHA allein etwa 30 % des gesamten Phospholipidgehalts des Gehirns ausmacht – eine Tatsache, die erklärt, warum seine Verfügbarkeit für die Stabilität der neuronalen Membranen und die synaptische Funktion so entscheidend ist: Dies bedeutet, dass die in der Rotterdam-Studie kartierten Stoffwechselwege – jene, die mit Entzündungen, dem Fettstoffwechsel und der Mitochondrienfunktion zusammenhängen – genau dieselben sind, auf die die ernährungsbezogenen Maßnahmen, die wir täglich im klinischen Bereich anwenden, direkt einwirken.

In der Praxis haben diese Erkenntnisse unmittelbare Auswirkungen: Die Erhöhung der Zufuhr von Omega-3 durch den regelmäßigen Verzehr von fettem Fisch stellt die erste konkrete Maßnahme zur Unterstützung der neuronalen Struktur und Funktion dar.

Die Polyphenole aus Beeren, Granatapfel, Bitterkakao und nativem Olivenöl extra durchdringen die Blut-Hirn-Schranke und üben eine direkte entzündungshemmende Wirkung auf das Hirngewebe aus, während die fermentierbaren Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten, Hafer und Kreuzblütlern die Produktion kurzkettiger Fettsäuren unterstützen, die – wie Studien zur Darm-Hirn-Achse belegen – zur Aufrechterhaltung der neuronalen Homöostase beitragen.

Die Blutzuckerkontrolle durch die Auswahl von Kohlenhydraten mit niedrigem glykämischen Index und eine ausgewogene Verteilung der Mahlzeiten über den Tag hinweg schützt direkt jene mit Diabetes verbundenen Stoffwechselwege, die in der Studie als Risikofaktoren für Hirnveränderungen identifiziert wurden, während hinsichtlich der Nahrungsergänzung gehören Omega-3-Fettsäuren in Form von EPA und DHA nach wie vor zu den Nahrungsergänzungsmitteln mit der größten wissenschaftlichen Absicherung in diesem Bereich, ebenso wie Probiotika auf der Basis spezifischer Stämme von Lactobacillus und Bifidobacterium, die dazu beitragen können, die Produktion neuroprotektiver Metaboliten durch die Mikrobiota zu optimieren.

In der Colombo-Methode arbeiten wir bereits in diese Richtung, indem wir die heute verfügbaren Stoffwechsel- und Entzündungsmarker überwachen, um Ernährungspläne zu erstellen, die die kognitive Gesundheit aktiv schützen und stets präventiv wirken – basierend auf jenen Mechanismen, die die Forschung nach und nach mit immer größerer Präzision kartiert.

Wenn Sie verstehen möchten, wie Ihr Stoffwechsel funktioniert und welche Ernährungsstrategien langfristig einen Unterschied bewirken können, lade ich Sie herzlich zu einem ersten Beratungsgespräch ein. Wir können uns in meinen Praxen in Pontresina, Lugano und Zürich oder online treffen; denken Sie daran: Frühzeitig einzugreifen, bevor Symptome auftreten, ist die klügste Strategie, die uns zur Verfügung steht.

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