Übergewicht hinterlässt einen molekularen Abdruck, der über Jahre hinweg bestehen bleibt.

Wer bereits einen Gewichtsverlust durchlaufen hat, geht oft davon aus, dass sich die mit Adipositas verbundenen Risiken zusammen mit den verlorenen Kilogramm in Luft auflösen, sobald das Wunschgewicht erreicht ist … doch die biologische Realität ist leider komplexer, und eine am 1. September in EMBO Reports veröffentlichte Studie belegt dies mit einer Präzision, die große Beachtung verdient.

Der Körper, insbesondere das Immunsystem, scheint ein regelrechtes molekulares Gedächtnis des Adipositas-Zustands zu bewahren, das auch nach einer langfristig stabilen Gewichtsabnahme noch jahrelang bestehen bleibt. Diese Entdeckung hilft uns, eine seit langem bekannte klinische Beobachtung zu erklären, nämlich warum viele Menschen, die abgenommen haben, dennoch einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Stoffwechselerkrankungen ausgesetzt sind, obwohl sie wieder ein normales Körpergewicht erreicht haben.

Im Rahmen der Studie wurden über einen Zeitraum von zehn Jahren die Immunzellen verschiedener Personengruppen analysiert, darunter Patienten mit Adipositas, die an Bewegungsprogrammen teilnahmen, Personen, die zur Gewichtsreduktion mit Semaglutid behandelt wurden, Personen mit Alström-Syndrom (einer seltenen genetischen Erkrankung, die mit Adipositas im Kindesalter assoziiert ist) sowie gesunde Kontrollgruppen.

Die Forscher konzentrierten sich auf die T-Helferzellen, auch bekannt als CD4+-Zellen (zentrale Elemente bei der Koordination der Immunantwort), und stellten fest, dass Adipositas durch einen als DNA-Methylierung bezeichneten Prozess einen epigenetischen Abdruck hinterlässt, bei dem sich kleine chemische Marker an die DNA dieser Immunzellen anlagern und so die Genexpression verändern, ohne die zugrunde liegende Gensequenz zu verändern.

Diese „molekulare Markierung“ kann noch 5 bis 10 Jahre nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme bestehen bleiben und die Immunzellen in einem dysregulierten, entzündungsfördernden Zustand halten, selbst wenn das Körpergewicht wieder im Normbereich liegt. Die Autoren der Studie betonten, dass diese Ergebnisse belegen, dass Adipositas mit dauerhaften epigenetischen Veränderungen einhergeht, die das Verhalten der Immunzellen weit über den Zeitraum der Gewichtsabnahme hinaus beeinflussen können.

Diese erste Studie konzentriert sich auf die anhaltenden Schäden, doch ein zweiter Forschungszweig, der im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit veröffentlicht wurde, in der zahlreiche klinische Studien zur personalisierten Ernährung untersucht wurden, bietet uns eine ergänzende und ermutigendere Perspektive: die Veränderbarkeit dieser epigenetischen Marker durch die Ernährung.

Die analysierten Studien bestätigen, dass eine Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide und pflanzlichen Lebensmitteln ist – insbesondere mediterrane Ernährungsmuster –, Methylgruppen-Donatoren, Polyphenole und antioxidative Verbindungen liefern, die die epigenetische Stabilität unterstützen können, während westliche Ernährungsmuster, die reich an verarbeiteten Lebensmitteln, gesättigten Fetten und raffinierten Kohlenhydraten sind, mit ungünstigen Methylierungssignalen in Verbindung gebracht wurden, darunter Veränderungen, die das Risiko für Adipositas und Insulinresistenz erhöhen.

Besonders interessant ist, dass sich ernährungsbedingte Veränderungen der Methylierung bereits innerhalb weniger Wochen zeigen können und in einigen Fällen reversibel sind. Das bedeutet, dass es trotz eines anhaltenden immunologischen Gedächtnisses der Adipositas konkrete Ernährungsstrategien gibt, die in die entgegengesetzte Richtung wirken, chronische Entzündungen bekämpfen und ein günstigeres epigenetisches Profil fördern.

In der Praxis legt diese doppelte Erkenntnis einen gezielten Ernährungsansatz für diejenigen nahe, die eine Gewichtsabnahme abgeschlossen haben und die verbleibenden Entzündungen im Zusammenhang mit dem immunologischen Gedächtnis der Adipositas reduzieren möchten.

Die in grünem Tee, Oolong-Tee, Kurkuma, Knoblauch und Beeren enthaltenen Polyphenole gehören zu den am besten untersuchten Modulatoren der Enzyme, die für die DNA-Methylierung verantwortlich sind, und ihre regelmäßige Aufnahme in die Ernährung stellt eine der wissenschaftlich fundiertesten Maßnahmen dar.

Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch enthalten sind, modulieren die Methylierung der an Entzündungen beteiligten Gene und unterstützen die Mitochondrienfunktion. Folsäure und Cholin, wichtige Vorläuferstoffe für den Methylgruppenstoffwechsel, kommen reichlich in grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Eiern und Kreuzblütlern und liefern unserem Organismus die notwendigen Substrate, um eine ausgewogene epigenetische Regulation aufrechtzuerhalten; was die Nahrungsergänzung betrifft, verdient Vitamin D3 aufgrund seiner direkten Rolle bei der Regulierung der Methylierungsenzyme besondere Beachtung, während Omega-3-Fettsäuren in Form von EPA und DHA sowie Probiotika auf Basis spezifischer Stämme eine zusätzliche Unterstützung bieten können, die stets auf das individuelle Profil der jeweiligen Person abgestimmt ist.

In der Colombo-Methode betrachten wir die Phase nach der Gewichtsabnahme als einen ebenso heiklen Moment wie den Abnehmprozess selbst, gerade weil die neueste Forschung bestätigt, dass das metabolische Risiko durch die Rückkehr zu einem Normalgewicht nicht vollständig beseitigt wird.

Durch die Analyse des Entzündungsprofils und die Erstellung gezielter Ernährungspläne arbeiten wir daran, jene Mechanismen zu unterstützen, die das molekulare Gedächtnis der Adipositas abschwächen können – mit dem Ziel, die erzielten Ergebnisse langfristig zu festigen, den Patienten eine neue und richtige Ernährungsweise zu vermitteln und das Risiko metabolischer Rückfälle konkret zu verringern.

Wenn Sie einen Weg zur Verbesserung Ihrer körperlichen Verfassung eingeschlagen haben oder unter dem Jojo-Effekt leiden, können Sie versuchen, bei sich selbst neu anzufangen, indem Sie die passende Unterstützung durch einen ersten Termin in der Praxis oder online vereinbaren.

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