28 Aug. Der Langlebigkeits-Entzündungs-Index, damit wir messen können, wie gut wir altern.
Jahrelang haben wir unsere Gesundheit anhand einzelner Werte gemessen: Cholesterin, Blutzucker und gelegentlich Entzündungsmarker, wenn der Arzt dies für angebracht hielt … Jeder dieser Werte sagte uns zwar etwas aus, aber selten genug, denn das biologische Altern ist, wie wir sehr wohl wissen, kein Phänomen, das sich mit einer einzigen Zahl erfassen lässt.
Eine in diesem Jahr in Nutrients veröffentlichte Übersichtsarbeit schlägt uns nun einen wichtigen Perspektivwechsel vor: ein digitales Rahmenkonzept, das systemische Entzündungen und die Zusammensetzung der Darmmikrobiota in einem einzigen Wert vereint, den sogenannten Longevity-Inflammation-Index, der eigens entwickelt wurde, um diese Lücke zu schließen und ein weitaus umfassenderes Bild davon zu liefern, wie stark unser Organismus tatsächlich altert.
Der Ausgangspunkt dieses Vorschlags geht auf eine Studie zurück, die an der Bevölkerung der Region Guangxi in China durchgeführt wurde und bei der 1.575 Personen im Alter zwischen 20 und 117 Jahren untersucht wurden, darunter 297 Hundertjährige. Die Forscher fanden heraus, dass die über 100-Jährigen über eine sogenannte „mit Jugendlichkeit assoziierte“ mikrobielle Signatur verfügen, d. h. einen von Bacteroides dominierten Enterotyp, eine größere Gleichmäßigkeit in der Verteilung der Bakterienarten, eine Anreicherung nützlicher Stämme und eine Verringerung potenziell schädlicher Bakterien.
Insbesondere wiesen die Hundertjährigen eine signifikante Häufigkeit von Akkermansia muciniphila auf, einem Bakterium, das in der Darmschleimschicht lebt und mit einer besseren Integrität der Darmbarriere sowie einer insgesamt höheren Fähigkeit zur Produktion kurzkettiger Fettsäuren in Verbindung gebracht wird. Am interessantesten ist, dass dieses mikrobielle Profil nicht dem typischen Verlauf des altersbedingten Rückgangs folgte, sondern überraschend nahe an dem blieb, das bei jungen Erwachsenen beobachtet wurde – als hätte der Darm dieser Menschen seine Alterung zusammen mit dem Rest des Organismus gewissermaßen verlangsamt.
Der zweite Punkt, der dieses Rahmenkonzept besonders stichhaltig macht, betrifft die Veränderbarkeit dieser Parameter durch die Ernährung: Derselbe Übersichtsartikel hat Belege aus zahlreichen randomisierten Studien zur mediterranen Ernährung zusammengetragen und gezeigt, dass ernährungsbezogene Maßnahmen dieser Art die Werte des hochsensitiven C-reaktiven Proteins um 18–32 % senken und die Vielfalt der Mikrobiota um 6–28 % erhöhen, wobei messbare Verbesserungen auch bei Stoffwechselparametern wie dem HOMA-IR-Index und dem Verhältnis von Triglyceriden zu HDL zu verzeichnen waren.
Eine weitere Analyse, die diesmal an fast 26.000 Teilnehmern durchgeführt wurde, die über 25 Jahre hinweg beobachtet wurden, bestätigte, dass die Einhaltung mediterraner Ernährungsmuster, wie sie für die Bevölkerungen der Blue Zones wie Okinawa, Sardinien, Nicoya, Ikaria und Loma Linda, mit einer Senkung der Gesamtmortalität um bis zu 23 % verbunden ist, wobei systemische Entzündungen offenbar den gemeinsamen Mechanismus darstellen, der dieser außergewöhnlichen Langlebigkeit zugrunde liegt.
Mit anderen Worten: Die beiden Achsen, auf denen der Longevity-Inflammation-Index aufbaut – Entzündung und Mikrobiota –, reagieren direkt und quantifizierbar auf konkrete Ernährungsmaßnahmen.
Um ein Profil zu entwickeln, das dem der in diesen Studien untersuchten Hundertjährigen ähnelt, muss man gleichzeitig an mehreren Fronten ansetzen: Die fermentierbaren Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten, Hafer, Topinambur, Knoblauch, Zwiebeln und Kreuzblütlern fördern die Produktion kurzkettiger Fettsäuren und begünstigen selektiv das Wachstum vonAkkermansia muciniphila; die Polyphenole aus Waldbeeren, Granatapfel, natives Olivenöl extra und grüner Tee bieten eine direkte antioxidative und entzündungshemmende Unterstützung und tragen zur Senkung des C-reaktiven Proteins bei, wie sie in Studien zur mediterranen Ernährung beobachtet wurde, während fermentierte Lebensmittel wie Kefir, Joghurt, Sauerkraut und Kimchi die gesamte mikrobielle Vielfalt bereichern.
Nicht fehlen darf zudem fetter Fisch (reich an Omega-3-Fettsäuren), der synergetisch auf beide Aspekte des Index einwirkt und sowohl systemische Entzündungen als auch die Zusammensetzung der Mikrobiota reguliert.
Was die Nahrungsergänzung betrifft, so stellen Probiotika auf Basis spezifischer Stämme, Butyrat in mikroverkapselter Form sowie Omega-3-Fettsäuren in Form von EPA und DHA konkrete Optionen dar, wenn die Daten eine gezielte Unterstützung nahelegen – stets abgestimmt auf das individuelle Profil der jeweiligen Person.
In der Colombo-Methode ist das diesem Index zugrunde liegende Konzept – nämlich die Vorstellung, dass Entzündungen und Mikrobiota gemeinsam und nicht als getrennte Bereiche bewertet werden sollten – seit geraumer Zeit Leitgedanke jedes von uns erstellten Ernährungsplans.
Durch die Analyse des Entzündungsprofils und des Zustands der Mikrobiota sowie des Stoffwechselprofils jeder einzelnen Person arbeiten wir daran, das biologische Gesamtbild an das anzunähern, was die Forschung bei den langlebigsten Bevölkerungsgruppen der Welt beobachtet, mit dem Ziel, das Tempo, mit dem unser Organismus altert, konkret zu verlangsamen.
Wenn Sie erfahren möchten, wie Ihr Entzündungs- und Mikrobiota-Profil derzeit aussieht und welche Ernährungsstrategien Ihnen zu einem gesünderen Altern verhelfen können, lade ich Sie herzlich zu einem Beratungsgespräch in meinen Praxen in Pontresina, Lugano und Zürich oder online ein: Die Terminvereinbarung ist ganz einfach – klicken Sie dazu einfach auf die grüne Schaltfläche unten. Ich freue mich auf Sie!
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