21 Aug. Verstopfung weist ein ganz bestimmtes bakterielles Profil auf.
Wenn wir an chronische Verstopfung denken, ist der fast automatische Ansatz, mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen, mehr Wasser zu trinken und sich mehr zu bewegen … Das sind natürlich alles richtige, aber unvollständige Ratschläge, da sie einen Aspekt außer Acht lassen, den die Forschung nun endlich genau beobachten kann: die spezifische mikrobielle Komponente, die die Darmmotilität durch die lokale Produktion von Serotonin reguliert.
Wir wissen schon seit Langem, dass der Großteil des Serotonins in unserem Körper – jenes Neurotransmitters, den wir gemeinhin mit der Stimmung in Verbindung bringen – eher im Darm als im Gehirn produziert wird. Bis vor kurzem war jedoch unklar, ob bestimmte Bakterien in der Lage sind, Serotonin direkt zu synthetisieren und so die Darmtätigkeit unmittelbar und messbar zu beeinflussen.
Eine in Cell Reports veröffentlichte Studie der Universität Göteborg hat genau diese Frage beantwortet: Die Forscher haben zwei Bakterienarten identifiziert, Limosilactobacillus mucosae und Ligilactobacillus ruminis, die in der Lage sind, Serotonin durch Decarboxylierung von 5-Hydroxytryptophan zu synthetisieren – allerdings nur, wenn sie gemeinsam als Bakterienkonsortium wirken, nicht einzeln.
Als dieses Bakterienduo Mäusen verabreicht wurde, denen die Fähigkeit zur Serotoninproduktion genetisch fehlte, stiegen die Konzentrationen des Neurotransmitters im Stuhl signifikant an, ebenso wie die Neuronendichte im Dickdarm und die Anzahl aktiver serotonerge Neuronen; der bedeutendste Effekt betraf jedoch die Funktion: Das Bakterienkonsortium normalisierte die Darmpassagezeit bei den keimfreien Mäusen und brachte sie auf ein Niveau zurück, das mit dem von Tieren mit einer vollständigen Mikrobiota vergleichbar ist.
In den parallel analysierten menschlichen Proben stellten die Forscher fest, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom niedrigere Konzentrationen von Limosilactobacillus mucosae aufwiesen als gesunde Kontrollpersonen, was auf einen direkten Zusammenhang zwischen dem Mangel an diesem spezifischen Bakterium und den Darmpassageproblemen hindeutet, unter denen Millionen von Menschen täglich leiden.
Dieses Ergebnis fügt sich in einen größeren Zusammenhang ein, der durch eine in Frontiers in Microbiology veröffentlichte narrative Übersichtsarbeit umrissen wird, in der die Mechanismen, durch die die Mikrobiota die Serotoninsynthese im Darm reguliert, detailliert aufgezeigt wurden. Die Übersichtsarbeit bestätigt, dass endogene sporenbildende Bakterien die Serotoninproduktion durch enterochromaffine Zellen anregen und dass bei einer verminderten Dichte des enterischen Nervensystems sowie einer verlangsamten Darmpassage beide Zustände durch eine bakterielle Rekolonisierung wiederhergestellt werden können.
Dieser zweite Forschungsansatz bestätigt uns somit aus einer umfassenderen Perspektive, was die schwedische Studie konkret nachgewiesen hat: chronische Verstopfung kann Ausdruck eines präzisen und identifizierbaren Ungleichgewichts in der Bakterienpopulation sein, die in der Lage ist, Serotonin im Darm zu produzieren und zu modulieren.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht erfolgt die Förderung des Wachstums dieser spezifischen Bakterien über Strategien, die generell eine reichhaltige und vielfältige Mikrobiota begünstigen: Die fermentierbaren Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten, Hafer, Topinambur, Knoblauch und Zwiebeln stellen das grundlegende Substrat für die bakterielle Fermentation im Dickdarm dar, während fermentierte Lebensmittel wie Kefir, Joghurt, Sauerkraut und Kimchi dazu beitragen können, die Population der Laktobazillen zu bereichern – jener Bakterienfamilie, zu der beide in der Studie identifizierten Arten gehören.
Tryptophan, eine direkte Vorstufe von Serotonin, kommt in reichlichen Mengen in Eiern, Kürbiskernen, Hülsenfrüchten und Fisch vor, und es ist wichtig, auf eine ausreichende Zufuhr zu achten, damit das Substrat für die Serotoninsynthese stets vorhanden ist – unabhängig vom Vorhandensein der richtigen Bakterien.
Was die Nahrungsergänzung betrifft, so stellen Probiotika auf der Basis spezifischer Lactobacillus-Stämme heute den Ansatz dar, der am besten mit diesen neuen Erkenntnissen im Einklang steht, und die Forschung auf diesem Gebiet entwickelt sich rasch in Richtung immer gezielterer und spezifischerer Probiotika.
In der Colombo-Methode stellt die Beurteilung des Zustands der Mikrobiota ein zentrales Element jedes Behandlungsplans dar, insbesondere bei der Bewältigung von Problemen mit der Darmtätigkeit, da die neueste Forschung immer genauer bestätigt, inwieweit chronische Verstopfung eine spezifische mikrobielle Ursache haben kann, die weit über einen einfachen Mangel an Ballaststoffen oder Flüssigkeitszufuhr hinausgeht.
Durch gezielte Analysen und die Erstellung individueller Ernährungs- und Nahrungsergänzungspläne arbeiten wir daran, das bakterielle Ökosystem des Darms in seiner Gesamtheit zu unterstützen und Bedingungen zu fördern, unter denen Arten wie die in dieser Studie identifizierten gedeihen und ihre physiologische Funktion erfüllen können.
Wenn Sie schon seit längerer Zeit unter Blähungen und Verdauungsproblemen leiden, könnte es an der Zeit sein, der Sache genauer auf den Grund zu gehen – vielleicht mit einer Analyse der Darmmikrobiota und einem Programm zum Wiederaufbau Ihrer Darmflora.
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