29 Aug. Wenn Stress unseren Körper verändert
Stress ist Teil unseres Lebens: Ein wenig Druck kann uns zwar sogar produktiver, aufmerksamer und reaktionsschneller machen… Wenn er jedoch chronisch wird, bleibt die Cortisolproduktion konstant erhöht und der Körper hat keine Möglichkeit mehr, sich zu erholen: In diesem Moment hört Stress auf, ein Verbündeter zu sein, und wird zu einer der Hauptursachen für Stoffwechselstörungen sowie für die Beschleunigung des biologischen Alterungsprozesses.
Wir neigen dazu zu glauben, dass Stress vor allem den Geist betrifft: Unruhe, wiederkehrende Gedanken oder Schwierigkeiten, sich zu entspannen, aber in Wirklichkeit zeigen sich die wahren Folgen auf körperlicher Ebene und beeinträchtigen grundlegende Mechanismen unseres Organismus, wie den Stoffwechsel, das hormonelle Gleichgewicht, die Schlafqualität und die Fähigkeit zur Zellregeneration.
Wenn der Körper einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft wahrnimmt, stimuliert Cortisol die Glukoseproduktion, um stets Energie zur Verfügung zu haben: Dieser Mechanismus, der in Notfällen nützlich ist, wird zu einem Hindernis, wenn Stress zum Alltag gehört: Der Blutzuckerspiegel bleibt tendenziell hoch, die Insulinresistenz steigt und überschüssiges Fett sammelt sich an, insbesondere im viszeralen Bereich.
Eine im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass Menschen, die chronischem Stress ausgesetzt sind, unabhängig von ihrer Kalorienzufuhr höhere Cortisolwerte und eine größere Neigung zur Ansammlung von Bauchfett aufweisen. Das bedeutet, dass selbst bei gleicher Ernährung der Körper unter Stress leichter zunimmt, insbesondere in dem aus kardiometabolischer Sicht gefährlichsten Bereich.
Schließlich ist viszerales Fett ein metabolisch aktives Gewebe, das entzündliche Zytokine produziert und so zur Auslösung eines chronischen Entzündungszustands beiträgt, der im Laufe der Zeit Arterien, Organe und Gewebe schädigen kann.
Neben der Gewichtszunahme kann Stress auch den biologischen Alterungsprozess direkt beschleunigen: Eine längere Cortisolbelastung erhöht nämlich die Produktion freier Radikale, verringert die antioxidativen Fähigkeiten des Körpers und beeinträchtigt die Schlafqualität (ein wichtiger Moment für die Zellregeneration).
Laut einer in PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlichten Studie sind hohe psychische Belastungen mit einer Verkürzung der Telomere verbunden: Je schneller dies geschieht, desto schneller verlieren die Zellen ihre Fähigkeit, sich korrekt zu vermehren.
Chronischer Stress wirkt also wie ein Beschleuniger des biologischen Alterungsprozesses, erhöht das Risiko für degenerative Erkrankungen und verkürzt die gesunden Lebensjahre.
Aber was können wir dagegen tun? Sicherlich brauchen wir einen multidisziplinären Ansatz, der in verschiedenen Bereichen unseres Lebens ansetzt, vielleicht beginnend bei der Ernährung, die ausgewogener und funktioneller sein muss, um die Reaktion unseres Körpers auf all diese Reize zu modulieren.
Magnesiumreiche Lebensmittel wie grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte und Trockenfrüchte tragen dazu bei, die Erregbarkeit des Nervensystems zu verringern, während Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch, Leinsamen, Avocados, Trockenfrüchten und Ölsaaten enthalten sind, eine wichtige entzündungshemmende und schützende Wirkung haben.
Auch Antioxidantien wie Polyphenole und Flavonoide (enthalten in Beeren, grünem Tee und Gewürzen wie Kurkuma), die Schäden durch freie Radikale bekämpfen, sollten nie fehlen.
In bestimmten Lebensphasen kann es sinnvoll sein, gemeinsam mit Ihrem Ernährungsberater auch eine gezielte Nahrungsergänzung mit Omega-3-Präparaten (zur Stärkung der entzündungshemmenden Wirkung), Magnesium (zur Förderung der Entspannung und Schlafqualität) und natürlichen Adaptogenen wie Rhodiola oder Ashwagandha (zur Regulierung der Stressreaktion) in Betracht zu ziehen.
Wie ich bereits erwähnt habe, sollte Stress immer an mehreren Fronten bekämpft werden: Aus diesem Grund behandeln wir ihn in der Colombo-Methode nicht als isoliertes Phänomen, sondern als Teil eines komplexen Systems, das verschiedene Aspekte unseres Organismus umfasst.
Durch gezielte Tests wie die HRV-Analyse und die 24-Stunden-Stressüberwachung sowie spezifische Blutuntersuchungen mit einer vollständigen Bewertung der biologischen Marker und der Analyse der wichtigsten Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin (grundlegende Parameter, um zu verstehen, wie das Nervensystem auf Stress reagiert), ist es möglich, einen maßgeschneiderten Behandlungsplan zu erstellen, der darauf abzielt, die Entzündungslast zu reduzieren, die neuroendokrinen Reaktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Zellregenerationsprozesse zu unterstützen.
Auf diese Weise werden nicht nur Verbesserungen beim Gewicht erzielt, sondern auch bei der Verdauung und der Lebensqualität sowie bei der geistigen Klarheit: Das Ergebnis ist ein ausgeglichenerer, widerstandsfähigerer und weniger anfälliger Körper.
Denken Sie immer daran, dass chronischer Stress niemals zur Normalität werden kann (und darf) und dass ein rechtzeitiges Eingreifen bedeutet, die Gegenwart zu schützen und Jahre eines gesunden Lebens zu gewinnen.
Wenn Sie sich ständig müde, lustlos und leicht reizbar fühlen und auch eine unerwünschte Gewichtszunahme feststellen, könnte es an der Zeit sein, sich näher mit dem Thema zu befassen und Maßnahmen zu ergreifen, bevor es zu spät ist.
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