28 Nov. Vom Teller auf die Schilddrüse: die Auswirkungen der modernen Ernährung
Wenn von Schilddrüse und Autoimmunität die Rede ist, neigt man dazu, sich eine Erkrankung vorzustellen, die ausschließlich mit Genetik oder Stress zusammenhängt. Tatsächlich unterscheidet sich die Umwelt, in der wir heute leben, erheblich von der vor einigen Jahrzehnten, und dies spiegelt sich auch auf unseren Tellern wider: Die Qualität der Lebensmittel hat sich drastisch verschlechtert, es gibt einen ständigen Konsum von Einfachzuckern sowie Zusatzstoffen und raffinierten Mehlen, die das Verhalten unseres Immunsystems verändern.
Für Menschen mit einer familiären Veranlagung für bestimmte Erkrankungen, wie beispielsweise Hashimoto-Thyreoiditis, kann dies ein erheblicher Risikofaktor sein.
In den letzten Jahren hat die wissenschaftliche Literatur einen immer deutlicheren Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Autoimmunprozessen aufgezeigt: Der Darm, die Durchlässigkeit seiner Barriere, das Gleichgewicht der Mikrobiota und der oxidative Haushalt sind in der Tat allesamt entscheidende Faktoren für die Modulation der Immunantwort.
Ultra-verarbeitete Lebensmittel sind mittlerweile Teil unserer täglichen Ernährung: Zusatzstoffe, Emulgatoren, zugesetzte Zucker und oxidierte Fette sind in solchen Mengen vorhanden, dass sie die tägliche Physiologie unseres Darms verändern können. Dazu gehören Konservierungsstoffe auf Phosphatbasis, bestimmte Emulgatoren und der massive Einsatz von Süßungsmitteln: alles Elemente, die unsere Mikrobiota und die Darmpermeabilität beeinträchtigen können.
Wenn die Darmbarriere ihre Integrität verliert, beginnen die Moleküle, die eigentlich im Darmlumen eingeschlossen bleiben sollten, mit dem Immunsystem zu kommunizieren und es zu verwirren.
Eine in Physiological Reviews veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass Zonulin einer der wichtigsten Regulatoren der Darmpermeabilität ist: Erhöhte Werte stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Antigen-Durchgang durch das Epithel, ein Phänomen, das eine abnormale Immunantwort stimulieren kann. Bei Menschen, die genetisch für eine Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung prädisponiert sind, kann dieser Prozess zu einem sehr wichtigen Auslöser werden.
Leider ist die westliche Ernährung mittlerweile arm an den Mikronährstoffen, die die Schilddrüse für eine gute Funktion benötigt, wie Selen, Zink, Jod und Eisen in bioverfügbarer Form, und eine Ernährung, die reich an raffiniertem Mehl, Einfachzucker und industriellen Produkten ist, neigt dazu, die Aufnahme dieser Mineralien weiter zu reduzieren und einen ohnehin schon sehr fruchtbaren Boden noch weiter zu verschlechtern.
Auch Gluten verdient eine besondere Betrachtung, da es bei Durchlässigkeit eine starke Immunreaktion begünstigen kann: Dies geschieht, weil einige Peptidsequenzen des Glutens Teilen des Schilddrüsengewebes ähneln, was zur Aktivierung von Anti-TPO-Antikörpern beitragen kann.
Eine interessante Studie, die im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlicht wurde, hat einen signifikanten Zusammenhang zwischen Anti-TPO-Antikörperspiegeln und Markern für eine veränderte Darmpermeabilität bei Hashimoto-Patienten festgestellt und damit die Hypothese einer Beteiligung der Darmbarriere an der Autoimmunreaktion gestützt.
Neben Lebensmitteln, die eine Immunaktivierung hervorrufen, gibt es auch solche, die immer häufiger fehlen: Ballaststoffe, Polyphenole, Vitamine, Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren. Ein Mangel an diesen Substanzen schwächt die Fähigkeit des Körpers, ein stabiles Redox-Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, und wenn der oxidative Stress zunimmt, kann die Schilddrüse (ein Organ, das von Natur aus reich an oxidativer Aktivität ist) anfälliger werden, was eine chronische Entzündung geringen Grades begünstigt.
Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass die Diagnostik in den letzten Jahren einen enormen Sprung gemacht hat und sich nicht mehr nur auf die Untersuchung von TSH, FT4 und FT3 beschränkt (die zwar nach wie vor grundlegende Analysen sind, aber nicht ausreichen, um zu beschreiben, was die Entzündung nährt); dank epigenetischer Tests kann man nun verstehen, wie der Lebensstil die Expression der an der Autoimmunreaktion beteiligten Gene beeinflusst.
Es handelt sich um Analysen, die Aspekte wie Methylierung und epigenetische Muster untersuchen, die es bei prädisponierten Personen ermöglichen, zu verstehen, ob die Umwelt den Organismus bereits in eine proinflammatorische Richtung treibt.
Das Redox-Gleichgewicht hingegen bewertet das Verhältnis zwischen oxidierenden Molekülen und antioxidativen Systemen: ein äußerst nützlicher Parameter, um zu verstehen, ob die Schilddrüse in einem günstigen Umfeld oder unter Druck arbeitet.
Schließlich bieten uns einige Darmparameter wie die Zusammensetzung der Mikrobiota, die bakterielle Vielfalt, das Vorhandensein von Schutzstämmen, die Zonulin-, Calprotectin- und Butyratwerte ein genaues Bild der Umgebung, die in ständigem Dialog mit dem Immunsystem steht: In diesen Fällen können eine dysbiotische Darmflora, eine geschwächte Barriere oder ein Überschuss an Entzündungsmetaboliten Frühindikatoren für ein stark steigendes Autoimmunrisiko sein.
Der erste Schritt zur Verbesserung der Situation besteht in einer Umstellung der Ernährung: mehr Ballaststoffe, mehr polyphenolreiche Pflanzen, mehr Vollkornprodukte, mehr Omega-3-Fettsäuren und hochwertige Proteine bei gleichzeitiger schrittweiser Reduzierung von Zucker, raffiniertem Mehl, industriellen Produkten und Zusatzstoffen, um die Entzündungslast auf systemischer und intestinaler Ebene zu verringern.
In vielen Fällen kann eine gezielte Nahrungsergänzung (und nur auf Anweisung des eigenen Ernährungsberaters) mit Nährstoffen wie Selen, Zink, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren, aber auch mit bestimmten Bakterienstämmen die Schilddrüse unterstützen und die Immunantwort modulieren, insbesondere wenn Mangelerscheinungen oder Grenzwerte durch Untersuchungen bestätigt werden.
Bei der Colombo-Methode wird jede Person als Ganzes analysiert, mit umfassenden und spezifischen Untersuchungen, die uns ein klares Bild der Situation vermitteln, sodass wir mit einer wirklich personalisierten und auf den Einzelnen zugeschnittenen Strategie vorgehen können, mit dem Ziel, die Entzündungslast zu reduzieren und der Schilddrüse wieder ein günstiges Umfeld zu verschaffen, indem sowohl auf die Symptome als auch auf die Ursachen eingegangen wird.
Wenn Sie eine familiäre Veranlagung vermuten, steigende Anti-TPO-Werte haben oder verstehen möchten, wie Ihr Lebensstil Ihre Immunantwort beeinflusst, können Sie einen ersten Beratungstermin in meinen Praxen in Lugano, Zürich oder Pontresina oder online vereinbaren: Das Bewusstsein dafür ist der erste Schritt, um präzise einzugreifen und Ihre Gesundheit in den kommenden Jahren zu schützen.