03 Okt. Der Darm als Zentrum des Immunsystems.
Wenn wir vom Immunsystem sprechen, denken wir zuerst an eine Armee von Zellen, die bereit sind, Viren und Bakterien zu bekämpfen, eine Art Schutzschild gegen äußere Einflüsse.
Das ist richtig, aber das eigentliche Kontrollzentrum befindet sich nicht nur im Blut oder in den Lymphknoten, sondern zum großen Teil im Darm: Hier lebt unsere Mikrobiota, eine riesige Population aus Milliarden von Mikroorganismen, die ständig mit unserem Immunsystem kommunizieren und dessen Fähigkeit, auf äußere Reize zu reagieren, beeinflussen.
Nach dem 50. Lebensjahr wird dieses Gleichgewicht noch empfindlicher: Die natürlichen Abwehrkräfte nehmen tendenziell ab, leichte Entzündungen können zunehmen und die Mikrobiota selbst verändert ihre Zusammensetzung, verliert an Vielfalt und Funktionalität. Deshalb ist es sehr wichtig, den Zusammenhang zwischen Darm und Immunität zu verstehen, um die Vitalität im Alter zu erhalten.
Der Darm ist nämlich eine echte immunologische Plattform: Über 70 % der Immunzellen des Körpers befinden sich im Darm, wobei die Bakterien, die diese Umgebung besiedeln, die Aufgabe haben, das Immunsystem zu schulen und ihm beizubringen, zwischen gefährlichen und harmlosen Stoffen zu unterscheiden.
Wenn sich die Mikrobiota in einem Gleichgewichtszustand befindet (auch als intestinale Eubiose bezeichnet), erhalten die Immunzellen klare und ausgewogene Signale, wodurch das Risiko von Überreaktionen oder unzureichenden Abwehrreaktionen verringert wird. Umgekehrt kann eine Verringerung der mikrobiellen Vielfalt (die zu einer Darmdysbiose führt) diese Regulierung schwächen, chronische Entzündungen begünstigen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
Eine in Nature Reviews Immunology veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass die Darmdysbiose einer der wichtigsten Faktoren für die mit dem Altern verbundene Abnahme der Immunabwehr ist. Die Forscher haben hervorgehoben, dass der Verlust einiger wichtiger Bakterienarten mit einer langsameren und weniger wirksamen Immunantwort zusammenhängt, wodurch der Organismus anfälliger für Infektions- und degenerative Erkrankungen wird.
Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft die geringgradige Entzündung, das sogenannte „Inflammaging”, das viele Menschen mit zunehmendem Alter betrifft: Dieser chronische Entzündungszustand wird zum Teil durch eine dysbiotische Mikrobiota unterstützt, die Moleküle produziert, die das Immunsystem ständig stimulieren.
Eine in Cell Host & Microbe veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass der Verlust von Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren (wie Butyrat) produzieren, ein proinflammatorisches Milieu begünstigt, die Verschlechterung des Immunsystems beschleunigt und das Risiko für chronische Erkrankungen, von Diabetes bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöht. Die Studie hat außerdem gezeigt, dass die Wiedereinführung dieser Metaboliten durch eine spezifische Nahrungsergänzung dazu beitragen kann, die Immunresilienz wiederherzustellen: Dies erklärt, warum man nicht von gesundem Altern sprechen kann, ohne den Zustand unseres Darms zu berücksichtigen.
Glücklicherweise verfügen wir über konkrete Instrumente, um die Mikrobiota zu modulieren und dadurch das Immunsystem zu unterstützen.
Die Ernährung ist unser wichtigster Verbündeter: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide liefert die notwendigen Nährstoffe für nützliche Bakterien und regt die Produktion schützender Metaboliten an, während fermentierte Lebensmittel wie Kefir, Sauerkraut und Kimchi eine wertvolle Quelle für lebende Mikroorganismen sind, die die Darmflora bereichern und ihre Vielfalt verbessern können.
Auch Gewürze und Kräuter können dank der antioxidativen Wirkung der Polyphenole dazu beitragen, oxidativen Stress zu reduzieren und ein günstiges Darmmilieu aufrechtzuerhalten.
Was Proteine betrifft, so liefert die Wahl von fettem Fisch und Hülsenfrüchten wichtige Nährstoffe (wie Omega-3-Fettsäuren mit entzündungshemmender und herzschützender Wirkung), während der regelmäßige Verzehr von Ölsaaten und Trockenfrüchten die Modulation von Entzündungen unterstützt.
In einigen Fällen, insbesondere wenn klinische Untersuchungen dies nahelegen, kann eine gezielte Nahrungsergänzung auf Anweisung Ihres Ernährungsberaters sinnvoll sein: Spezifische Probiotika, die nach Stamm und Funktion ausgewählt werden, können die Mikrobiota wieder ins Gleichgewicht bringen und eine effizientere Immunantwort fördern. Auch Vitamin D, das mit zunehmendem Alter häufig fehlt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Aktivierung der Immunzellen und beim Schutz vor Infektionen, während Zink und Vitamin C, wenn sie sinnvoll ergänzt werden, diese Ernährungsunterstützung vervollständigen.
Bei der Colombo-Methode ist die Bewertung der Darmmikrobiota ein wichtiger Punkt, um die Zusammensetzung der Bakterienflora zu beobachten, Ungleichgewichte zu erkennen und diese mit den Symptomen oder Schwächen des Kunden in Verbindung zu bringen.
Diese Kartierung ermöglicht es uns, maßgeschneiderte Maßnahmen zu entwickeln, die funktionelle Ernährung, Nahrungsergänzung und Strategien zum Stressmanagement (ein weiteres Element, das die Darmgesundheit stark beeinflusst) kombinieren, alles in Verbindung mit der Bewertung des Hormon-, Stoffwechsel- und Entzündungszustands, wodurch ein Gesamtbild entsteht, das es uns ermöglicht, das Immunsystem zu stärken und den altersbedingten Verfall zu verhindern.
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