Methionin: Die Aminosäure, die den Alterungsprozess beschleunigt?

Die Forschung zur Langlebigkeit hat im Laufe der Jahre verschiedene ernährungsbezogene Maßnahmen identifiziert, die die Lebensdauer bei verschiedenen Tiermodellen verlängern können: Eine der am besten untersuchten Maßnahmen ist die Kalorienrestriktion, die das Leben von Organismen von Hefen bis zu Primaten verlängert.

Aus all diesen Forschungen geht immer deutlicher hervor, dass ein Teil dieses Effekts von der Reduzierung einer bestimmten Aminosäure abhängen könnte: Methionin, eine essentielle Aminosäure (reichlich in tierischen Proteinen enthalten), die offenbar eine Schlüsselrolle bei den Mechanismen spielt, die die Geschwindigkeit der Zellalterung und die Lebensdauer regulieren.

Methionin ist an grundlegenden Stoffwechselprozessen beteiligt, wie der Proteinsynthese, der DNA-Methylierung und der Produktion von Glutathion, einem der stärksten endogenen Antioxidantien. Ein chronischer Überschuss scheint jedoch die Alterung durch verschiedene Mechanismen zu beschleunigen, wie z. B. die Erhöhung der Produktion freier Radikale auf mitochondrialer Ebene, die übermäßige Stimulierung des mTOR-Stoffwechselwegs (der bei chronischer Aktivierung mit einer beschleunigten Alterung in Verbindung gebracht wird) und die Bildung von Homocystein als Stoffwechselnebenprodukt (eine Verbindung, die mit Herz-Kreislauf-Risiken und systemischen Entzündungen in Verbindung gebracht wird).

Studien an Tiermodellen haben sehr konsistente Ergebnisse gezeigt: Mäuse, die mit methioninarmer Nahrung gefüttert wurden, leben bis zu 40 % länger als die Kontrollgruppe, halten ein geringeres Körpergewicht, zeigen eine bessere Insulinsensitivität und entwickeln weniger spontane altersbedingte Tumore.

Der Effekt scheint zudem unabhängig von der Gesamtkalorienrestriktion zu sein: Selbst bei gleicher Kalorienzufuhr wirkt sich die einfache Reduzierung von Methionin positiv auf die Lebenserwartung aus. Dies hat Forscher zu der Annahme veranlasst, dass neben der Gesamtmenge an Proteinen oder Kalorien auch die Aminosäurezusammensetzung der Ernährung einen tiefgreifenden Einfluss auf die Alterungsprozesse haben könnte.

Interessant ist, dass, wie ich eingangs erwähnt habe, Methionin vor allem in tierischen Proteinen wie denen in rotem Fleisch und Geflügel enthalten ist, die hohe Mengen dieser Aminosäure enthalten, während pflanzliche Proteine wie Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Trockenfrüchte deutlich weniger davon enthalten.

Dies könnte erklären, warum Ernährungsweisen, die reich an pflanzlichen Proteinen sind, mit einer höheren Lebenserwartung verbunden zu sein scheinen als Ernährungsweisen, in denen tierische Proteine überwiegen, selbst bei gleicher Gesamtproteinaufnahme.

Ein weiteres Element, das sich aus der Forschung herauskristallisiert, betrifft das Verhältnis zwischen Methionin und Glycin (eine nicht essentielle Aminosäure, die der Körper selbst produziert und die an der Kollagensynthese, der Entgiftung der Leber und der Regulierung von Entzündungen beteiligt ist). Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Glycinproduktion tendenziell ab, während der Bedarf steigt, was zu einem relativen Defizit führt.

Eine in Aging Cell veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass eine Supplementierung das Zellleben verlängert und die Stoffwechselmarker verbessert, was darauf hindeutet, dass das Verhältnis zwischen Methionin und Glycin wichtiger sein könnte als der absolute Gehalt jeder einzelnen Aminosäure: Ein Überschuss an Methionin in Kombination mit einem Glycinmangel verstärkt oxidativen Stress und die Anreicherung von Homocystein, während ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den beiden Aminosäuren vor diesen negativen Auswirkungen zu schützen scheint.

Die westliche Standardernährung, die stark industrialisiert und zunehmend nährstoffarm ist, liefert viel mehr Methionin als nötig, oft begleitet von einer unzureichenden Glycinzufuhr: Dieses Ungleichgewicht könnte zur Beschleunigung des Alterungsprozesses und zu einem erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen beitragen.

Aus praktischer Sicht bedeutet eine moderate Reduzierung der Methioninaufnahme, das Proteingleichgewicht zugunsten pflanzlicher Quellen zu verschieben: Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen liefern hochwertiges Protein mit einem geringeren Methioningehalt als Fleisch, aber auch Vollkorngetreide, Trockenfrüchte und Ölsaaten tragen zur Gesamtproteinaufnahme bei und sorgen für ein günstigeres Methionin/Glycin-Verhältnis.

Was Glycin betrifft, so kann man sagen, dass es in der modernen Ernährung nur selten vorkommt. Daher kann eine Ergänzung unter strenger Anleitung Ihres Ernährungsberaters eine sinnvolle Option sein, um das Verhältnis zu Methionin auszugleichen. Glycin hat auch nachweislich positive Auswirkungen auf die Schlafqualität und die Muskelregeneration, was es zu einer Option macht, die insbesondere für Menschen über 50 in Betracht gezogen werden sollte.

Ein weiterer Ansatz betrifft die Optimierung der Methylierung und des Homocystein-Stoffwechsels: Vitamine der B-Gruppe, insbesondere B6, B9 und B12, sind essentielle Cofaktoren für die Umwandlung von Homocystein in weniger schädliche Verbindungen. Eine ausreichende Zufuhr dieser Vitamine, insbesondere mit zunehmendem Alter, wenn die Absorption tendenziell abnimmt, trägt dazu bei, die durch Methionin aus der Nahrung verursachte Stoffwechselbelastung besser zu bewältigen.

Bei der Colombo-Methode wird die Aminosäurezusammensetzung der Ernährung zusammen mit dem gesamten Stoffwechselbild bewertet, mit dem Ziel, eine Ernährung zu entwickeln, die ausreichend Proteine liefert, um die Muskelmasse zu erhalten und die physiologischen Funktionen zu unterstützen, wobei gleichzeitig Überschüsse vermieden werden, die den Alterungsprozess beschleunigen könnten.

Dieser Ansatz umfasst auch die Bewertung von Stoffwechselmarkern wie Homocystein, Entzündungsstatus und Insulinsensitivität, um zu überprüfen, ob die Ernährungsintervention messbare Vorteile bringt.

Wenn Sie sich näher mit diesen Themen befassen und eine Ernährungsstrategie entwickeln möchten, die die Muskelmasse schützt, ohne die Zellalterung zu beschleunigen, können Sie einen ersten Beratungstermin mit mir in meiner Praxis in Pontresina, Lugano oder Zürich oder online vereinbaren.

Wenn Sie diesen Weg einschlagen, investieren Sie in einen Konzept, der Langlebigkeit als Ergebnis bewusster täglicher Entscheidungen betrachtet, die auf Physiologie und wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

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